Die erste Kletterausrüstung – was kaufe ich? – Kletterschuhe.

Wer mit dem Klettern anfängt, möchte sich irgendwann auch eigenes Material kaufen und fragt sich dann, was ist eigentlich sinnvoll? Muss das alles sein?
Wir möchten euch etwas Unterstützung geben und so beginnt heute unsere kleine Beitragsserie zum Material beim Sportklettern.

Auf jeden Fall braucht man Klettergurt und Schuhe. (Um die Schuhe geht es heute. Gurt und Co. folgen bald.)
Danach macht es Sinn sich ein Sicherungsgerät und einen Verschlusskarabiner zuzulegen.
Damit kann es schon mal losgehen.

Kletterschuhe

Worauf achten?

Um den richtigen Schuh zu finden, muss man ihn anprobieren. In guten Fachgeschäften findet man eine Auswahl verschiedener Modelle. Die Firmen bieten unterschiedliche Passforemen und jeder Fuß ist anders. Also nehmt euch Zeit und probiert aus. In Fachgeschäften gibt es manchmal auch Möglichkeiten, die Schuhe kurz zu testen.

Woher weiß ich, das der Schuh passt?
Kletterschuhe müssen relativ eng sitzen – aber nicht unbequem sein. Die Schuhe sollten eng sitzen, aber keine Schmerzen verursachen.
Wenn man in den Schuhen hin- und herrutscht, sind sie zu groß. Wenn irgendwo zwischen Fuß und Schuh größere „Luftblasen“ entstehen, ist die Passform wohl eher nicht geeignet.
Achtet auf den Bereich der Zehen und der Ferse. Hier sollte der Schu gut anliegen und weder rutschen noch „Luft“ haben.
Schmerzen sind bei Einsteigerschuhen kein Gütekriterium. Bei fortgeschrittenen Kletterern wird ein Schuh, je nach Anwendungsbereich, auch schon mal deutlich (2-3 Nummern) kleiner gekauft um eine hohe Performance zu liefern. Für Einsteiger oder bei Schuhen die ihr länger am Tag anhabt, reicht es, dass sie wirklich passend sitzen (wie ein Neoprenanzug).
Achtet darauf und fragt nach der Dehnung des Materials. Bei Naturmaterialien wie Leder, kommt es vor, das der Schuh sich noch weitet. Kunstmaterialien und Gummi tun dieses nicht so sehr, eine halbe Größe ist aber auch hier drin. Hierbei ist auch die Uhrzeit an dem ihr den Schuh kauft ein interessanter Punkt. Im Verlauf des Tages werden die Füße automatisch ein bisschen größer. Ein Schuh der morgens schon eng sitzt, wird abends also noch enger.

Klettverschluss, Slipper oder Schnürschuh?
Schnürschuhe lassen sich häufig besser an den Fusß und den Zweck anpassen, Klettverschlüsse lassen sich natürlich schneller öffnen und schließen. (Tipp: Klettverschlüsse beim Aufbewahren immer schließen – das verlängert die Lebensdauer) Slipper sind häufig eher weich im Bereich der Sohle und erfordern kräftige Füße.

Weiche oder harte Sohle?
Von weich bis hart gibt es viele verschiedene Schuhe und Sohlen. Als Käufer muss man sich überlegen, worauf man Wert legt:
Weiche Schuhe fühlen sich oft angenehmer am Fuß an, und „haben mehr Gefühl“, dafür braucht man allerdings auch mehr Kraft in den Füßen. Um kleine Tritte mit flexiblen Schuhen zu halten Bedarf es auch mehr Erfahrung. Steifere Modelle sind weniger sensibel, bieten aber mehr Stabilität und Muskeln werden nicht so stark belastet.
Man kann auch sagen, je kürzer die Kletterroute, desto weicher der Schuh – je länger die Kletterzeit, desto härter der Schuh – der Einsteiger sollte nicht zu weiche Schuhe kaufen um seine Fußmuskulatur nicht zu schnell zu überfordern.

Ein passender Kletterschuh sitzt eng, bequem, umschmiegt den Fuß gleichmäßig, bietet Unterstützung aber auch Gefühl für den Tritt. Die Devise heißt also – Anprobieren.
Wer, vor dem Kauf bei einem unserer örtlichen Händler, einen Tip zur Größenorientierung sucht kann hier schauen und sich an der großen Datenbank orientieren:

https://www.bergfreunde.de/kletterschuhe-groessen-rechner/

Kletterschuhe kosten zwischen 55 und 160 Euro.

Meine eigene Erfahrung damals war:

Die ersten Schuhe für 35€ gebraucht von einem Kumpel waren eine Offenbarung. Klettern wurde sooo schön…
Dann bald der Wunsch nach mehr Kontrolle. Also Ab in den nächsten Laden (Zugvogel DT, Der Outdoorladen in PB, Sportscheck in Bi, Dacathlon in Bi, waren meine Anlaufstationen).
Irgendwann in Laden 5 dann DEN Schuh anprobiert. Es machte einfach Klick und ich hatte ihn gefunden. Leider kostete der aber dann 135€… was nun? Egal, er war einfach zu gut am Fuß. Ich kaufte ihn und klettere das Modell immer noch in unterschiedlichen Größen (0,5 +/-) je nach Zweck. Eng zum Bouldern, etwas weiter für den Fels, wenn es um einen ganzen Tag Klettern und mehr Zeit in den Schuhen geht.

Also für Schuhe gilt:
Anprobieren und den passenden kaufen – schick und teuer muss nicht immer sein, Beratung und Ausprobieren helfen aber schon.

In dem Sinne,

Climb safely!

Mathias Stein

Mathias Stein

Sportlehrer, Kletterbetreuer, Familiengruppenleiter bei DAV Lippe-Detmold
Mathias Stein

Letzte Artikel von Mathias Stein (Alle anzeigen)